Autismus, ADHS, Depressionen und andere Diagnosen

Ein herzliches Hallo von mir.

Ich beschäftige mich seit ungefähr 2,5 Jahren mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung.

Im Rahmen meines Burnouts kam so u.a. auch das Thema Hochsensibilität zu mir.

Ich erkannte mich in diversen Berichten, Artikeln, Büchern etc. wieder und begann endlich zu verstehen, warum ich in so vielen Dingen anders ticke als andere.

Mich hat schon immer die menschliche Psyche sehr interessiert. Vor allem Menschen die „anders“ sind als der Normal-Mensch ziehen mich an. Ich versuche immer hinter die Fassade, hinter die Masken zu blicken und den wahren inneren Kern zu erkennen. In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass ich häufig mit meiner Einschätzung von Personen richtig lag und liege. So viele Menschen sehen nur das äußere Erscheinungsbild des Anderen. Was womöglich dahinter steckt interessiert sie entweder nicht, oder sie sind nicht in der Lage dorthin zu schauen.

Schon lange frage ich mich auch, wie es dazu kommt, dass immer mehr Menschen an Depressionen, ADHS und Co erkranken, bzw, zumindestens diese Diagnose übergestülpt bekommen. Auch hier habe ich den Eindruck, dass fast nie auf die wirkliche Ursache geschaut wird, sondern lediglich Symptome „therapiert“ werden.

Wie sonst ist es zu erklären, dass diverse Betroffene oft jahrelang in Therapie sind.

Vor einigen Wochen gelangte nun ein Artikel über das Asperger Syndrom zu mir.

Darin wurden u.a. mögliche „Symptome“ beschrieben.

Sehr viele dieser Symptome treffen meiner Ansicht nach auf hochsensible Menschen oftmals ganz genauso zu – nur in abgeschwächter Form.

So findet man beim Asperger Syndrom z.B. Beschreibungen wie:

Menschen mit Asperger Syndrom haben:

– eine andere Verarbeitung von Sinnesreizen

– intensive (oft sehr spezielle) Interessen

– ein Bedürfnis nach Beständigkeit

– sie finden es schwierig, Freundschaften zu schließen und aufzubauen.

– manche ziehen sich zurück und scheinen nicht an anderen Menschen interessiert, wirken

abwesend oder unnahbar.

(siehe auch https://autismus-kultur.de/autismus/asperger.html)

Ich kann nur für mich sprechen, aber genau das kann ich für mich selbst in abgeschwächter Form auch bejahen…

Als ich das alles so las drängte sich mir ein Gedanke immer wieder auf:

Gibt es diese ganzen psychischen „Krankheiten“ eigentlich wirklich? Oder kann es vielleicht sein, dass gerade Menschen mit diesen speziellen Persönlichkeitsmerkmalen im Grunde einfach „nur“ (hoch)sensibel sind und damit gar nicht krank?

Gibt es vielleicht verschiedene Grade von Hochsensibilität?

Und ist es am Ende lediglich einfacher solche Menschen, die nicht ins Konzept der Gesellschaft passen, mit einer Diagnose abzustempeln, um es sich selbst einfacher zu machen?

Man verpasst ihnen z.B. Medikamente, um sie besser an die Gesellschaft „anzupassen“.

Das Gleiche gilt z.B. auch für die so häufig gestellte Diagnose ADHS bei Kindern.

Ich erlebe immer wieder, dass sogenannte ADHS-Kinder häufig überdurchschnittlich sensibel sind, ihnen diesbezüglich aber niemand zuhört, weil diese Sensibilität eben nicht in unsere heutige Leistungsgesellschaft passt.

Als hochsensibler Mensch gelangt man aufgrund der permanent auf einen eindringenden Außenreize nun mal schneller an seine Grenzen und ist von der Welt da draußen schnell mal überfordert.

Muss man jedoch immer wieder über diese Grenzen hinweggehen und im Sinne der Gesellschaft funktionieren kommt es meiner eigenen Erfahrung nach schnell mal u.a. zu Aggressionen und Wutausbrüchen.

Letztlich bräuchte es in solchen Situationen jedoch einfach eine kurze Ruhepause, damit das Nervensystem wieder herunterfahren und sich beruhigen kann. Es braucht jedoch keine Medikamente die ruhigstellen sollen!

Ähnlich sehe ich Depressionen, Burnout und Co.

Es gibt einen wunderbaren Spruch von Ulrich Schaffer:

„Geh Du vor“, sagte die Seele zum Körper, „auf mich hört er nicht. Vielleicht hört er auf Dich.“
„Ich werde krank werden, dann wird er Zeit für Dich haben“, sagte der Körper zur Seele.

Geht man davon aus, dass unser eigener Körper tatsächlich am besten weiß, was uns und unserer Seele guttut, dann sind Depressionen und Co ein Hinweis darauf, dass der zugehörige Mensch viel zulange gegen sich selbst gelebt hat.

Und genau das lese und höre ich auch immer wieder wenn Betroffene über „ihren Zustand“ berichten.

Ich kann das auch für mich selbst bestätigen. Letztlich habe ich mein ganzes früheres Leben lang nicht auf mich und meinen Körper gehört. Ich wollte dazu gehören, wie alle anderen auch funktionieren, keine Schwäche zeigen…

Wohin hat mich das Ganze am Ende gebracht? Genau. Ins Burnout, bzw. in die Erschöpfungsdepression.

Heute kenne ich viele meiner körperlichen Weckrufe und kann früher reagieren, wenn ich denn bereit bin sie zu hören.

Dazu muss man jedoch akzeptieren, dass man eben anders tickt und auf den ersten Blick nicht so belastbar ist wie alle anderen.

Es fragt sich dabei jedoch auch: wer sind denn eigentlich diese Anderen?

Warum wird die Zahl der diagnostizierten Depressionen, Erschöpfungsdepressionen, Anpassungsstörungen etc. immer höher?

Warum krankt unsere Gesellschaft immer mehr genau daran?

Ich behaupte, unsere heutige Leistungsgesellschaft erlaubt keine/zu wenig Individualität mehr.

Es beginnt schon in der Schule. Unsere Kinder haben zu funktionieren.

Wollen wir denn wirklich möglichst viele kleine Einsteins haben? Oder wollen wir die jeweiligen Talente unserer Kinder fördern?

Das eine Kind ist extrem musikalisch, kann aber nicht gut lesen und schreiben. Das andere ist extrem mathematisch begabt, hat aber wenig Talent für Musik. Ein anderes ist künstlerisch super talentiert, kommt aber mit Mathematik nicht gut klar. Etc.

Trotzdem ist jedes Kind etwas Besonderes und sein spezielles Talent sollte es doch wert sein gefördert zu werden.

Was macht aber unser Schulsystem? Es versucht den Einheitsschüler zu erschaffen. Die meisten die hier nicht mithalten können fallen am Ende hinten runter. Das schafft Frust, Aggressivität, Wut, etc.

Und genau damit sind wir wieder beim Thema Depressionen und Co angekommen.

Genau diese meistens auch noch unterdrückte Aggression, Wut, Frustration macht irgendwann müde und immer müder. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, wo die Depression beginnt. Oder zuvor das Ausbrennen anfängt.

Wenn man selbst dies bemerkt ist es eh schon zu spät und das Ganze nicht mehr aufzuhalten.

Gut, im akuten Stadium kann es tatsächlich Sinn machen zunächst einmal mit passenden Medikamenten dafür zu sorgen, dass der Körper und die Psyche wieder halbwegs ins Lot kommen.

Aber am Ende ist es das Wichtigste hinter das alles zu schauen. Wie kam es zu diesem Worst-Case? Welche Ursachen liegen wirklich zu Grunde?

Ich habe damals eine Verhaltenstherapie gemacht – weil sie halt empfohlen und bezahlt wurde. Von Anfang an hatte ich das Gefühl: das kann doch gar nichts bringen. Manchmal lässt sich z.B. das Außen einfach nicht beeinflussen und ändern. Und egal wie sehr ich mich bemühe mich zu ändern, es kann dann nichts bringen.

Ich selbst hatte immer das Gefühl, ich müsse eine bestimmte Situation in meiner Kindheit noch einmal aufarbeiten.

Genau das habe ich nach Beendigung der Psychotherapie mit einer von mir selbst bezahlten Hypnosetherapie auch getan. Und siehe da: genau das machte mich dann wieder arbeitsfähig.

Ansonsten habe ich selbst unheimlich viel Wissen aufgesogen in der Krankzeit. Youtube, Bücher, Zeitschriftenartikel, Facebook und Co.

Und dadurch lernte ich mich selbst besser kennen und bekam allmählich eine Ahnung davon warum ich wirklich ins Burnout geschliddert bin.

Ich lernte auf meine Intuition und meine körperlichen Hinweise zu achten und diese ernst zu nehmen. Tue ich das nicht darf ich halt die Konsequenzen tragen.

Aber inzwischen weiß ich, dass ich am nächsten Tag zu nichts zu gebrauchen bin wenn ich bewusst über meine Grenzen gehe an einem Tag. Ich gönne mir dann aber auch die benötigte Ruhe am nächsten Tag, um wieder Energien zu sammeln.

Ich ticke eben einfach so. Es ändert nichts, wenn ich das weghaben und nicht akzeptieren will oder wenn ich es hinnehme und mir die Auszeit die mir vorgegeben wird nehme.

Das Ergebnis ist am Ende gleich.

Und genau darum geht es meiner Meinung nach bei all diesen psychischen Befunden.

Man muss lernen sich selbst so zu akzeptieren wie man ist!

Und man muss lernen für sich selbst einzustehen gegenüber anderen!

Ich habe damals irgendwann mit Macht festgestellt wie viele Masken ich mir über die Jahre zugelegt hatte für die Menschen um mich herum. Damit bloß niemand mitbekommt wie ich wirklich bin.

Heute brauche ich diese Masken kaum noch. Klar bin auch ich immer noch nicht ganz frei davon. Aber ich arbeite dran.

Heute kann ich meine Masken bewusst und gezielt einsetzen und auch wieder abnehmen.

Und das macht mich immer freier und freier.

Nach inzwischen fast 2,5 Jahren kann ich von mir sagen: ich bin wieder da.

Ich würde mir wünschen, dass meine Zeilen auch anderen Denkanstöße geben und ihnen so ein wenig aus ihrer Dunkelheit, ihrer Einsamkeit, ihrem Loch heraushelfen können.

Liebe Grüße

Deine Silke

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